Judit Till

2025.02.17

Die GJU-Generation: Wie ungarndeutsche Familien Tradition und Identität weitergeben

Vor 35 Jahren wurde die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU) ins Leben gerufen – ein Meilenstein für die junge ungarndeutsche Generation, die ihre Wurzeln pflegen und gemeinsam erleben wollte. Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, haben viele dieser jungen Menschen eigene Familien gegründet. Doch was ist aus ihrer Verbundenheit zur ungarndeutschen Identität geworden? Wie leben sie Tradition, Sprache und Gemeinschaftssinn im Alltag?

Ein Beispiel ist Judit Till, die selbst als Jugendliche Teil der GJU war und heute Mutter von drei Kindern ist. Sie leitet den NőiTérErő-Podcast für die Plattform zarandok.ma, wo sie unter anderem über Frauenkraft, Traditionen und Identität spricht. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, ihre Herkunft nicht nur zu bewahren, sondern aktiv an die nächste Generation weiterzugeben. "Die Sprache ist der Schlüssel zur Identität. Wenn meine Kinder das Ungarndeutsche hören und sprechen, dann bleibt es lebendig", erzählt sie.

Viele ehemalige GJU-Mitglieder sehen das genauso. Sie organisieren ungarndeutsche Abende, nehmen an Trachtenfesten teil und feiern alte Bräuche und Sitten. In manchen Familien gehört es zum Alltag, dass Kinder von klein auf zweisprachig aufwachsen, traditionelle Lieder singen oder Geschichten der Großeltern hören. Diese Familien zeigen eindrucksvoll, dass das Ungarndeutschtum nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine lebendige Zukunft hat.

Das zeigte sich auch kürzlich beim GJU-Fußballturnier in Szendehely, an dem zahlreiche ungarndeutsche Gemeinden teilnahmen. Am Abend, bei der Tanzveranstaltung, wurde deutlich, dass die 35-jährige Gemeinschaft weiterhin diese Tradition pflegt – und dass mittlerweile sogar die Kinder der früheren GJU-Mitglieder mit dabei sind. Ein Moment des Stolzes für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer! So wie einst ihre Eltern, tanzen nun auch die nächste Generation und ihre Kinder auf dem Schwabenball mit und halten das kulturelle Erbe lebendig.

Doch es gibt auch Herausforderungen. In einer zunehmend globalisierten Welt wird es schwieriger, die Sprache im täglichen Leben zu verankern. Viele Eltern setzen sich bewusst dafür ein, ihre Kinder in ungarndeutsche Kindergärten und Schulen zu schicken oder an Jugendprogrammen teilhaben zu lassen. "Es geht nicht nur um Nostalgie", betont Judit Till. "Unsere Identität gibt uns ein Fundament und eine Gemeinschaft, die uns durchs Leben trägt."

Die GJU hat damals eine Generation geprägt, die nun selbst Verantwortung übernimmt – nicht nur für ihre Familien, sondern auch für die Weitergabe der ungarndeutschen Kultur. In jedem Lied, in jeder erzählten Geschichte und in jedem gesprochenen Wort lebt das Erbe weiter. Und genau darin liegt die Zukunft der ungarndeutschen Gemeinschaft.

Fortsetzung folgt in Neuen Zeitung ...


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